Auszüge aus unsere Hofchronik
von 1538 bis 2008 |
Gahlenz ist sehr früh zu einem selbständigen Kirchspiel erhoben worden, denn in der Meißner Bistumsmatrikel vom Jahre 1346 wird der Ort bereits aufgeführt.
Unser Bauernhof ist einer der ältesten im Ort, wird im Jahre 1538 erstmals erwähnt und gehörte dem Erb-. Lehnrichter Egidius Weynhold. Er hat es als ein "gefreyet Lehngut" an Ilgen Reißinger verliehen.
Seit dem Jahre 1538 gehörte das Gut 17 verschiedenen Besitzern, teils vererbt, aber auch durch Verkäufe wechselten die Besitzer.
Am 15.08.1576 übernahmen Paul und Hieronymus Reißinger käuflich das Erblehngut von ihrem Vater Ilgen Reißinger für 200 Meißner Gülden. |
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Tobias Braunsdorf erkaufte am 20.03.1613 das Gut und verkaufte es am 28.06 1622 an Michael Kuntze. 3,0 Hufen Feld und eine Mühle mit einem Mahlgang gehörten dazu.
Die Hofanlage war wüst und öde liegend und ohne Gebäude(wegen der feindlichen Einfällen im 30 jährigen Krieg).
1638 wurde das Freigut von 3 Hufen in zwei gleiche Hälften von je 1,5 Hufen geteilt. (Jetziger Hof Kaltofen Nr. 86 und Nachbargehöft Klemm Nr. 85)
Am 29.10.1742 wurde das Kanzleilehngut (so wurde das Gehöft damals genannt) für 1075 Meißner Gulden mit 1,5 Hufen, 2 Pferden, 10 Kühen und 1 Kalbe vom Lehnbauer Christoph Börner an Hannß Adam Hänig in Lehn und Würden beliehen.
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Nach der Conisgation (Bestandserfassung) der Grundstücke und Viehbestände im Dorfe Gahlenz vom 14.Sept. 1812 durch den
Erb und Lehnrichter Scheunert und seinen Schöffen besteht das Gehöft Nr. 86 aus:
1 Wohnhaus mit eingebauten Kuhstall
1 Auszugsstube
1 Seitengebäude, darin Pferde- und Schafstall
1 Scheune mit Tenne und Wagenschuppen
1 Holzschuppen darin der Einqurtierungsstall
1 Grasgarten mit sehr wenig Obstbäumen und einigen Grezbeeten zusammen 1 1/4 Scheffel
2 Zugpferde, 2 Zugochsen, 10 Milchkühe, 2 Kalben, 1 Samenrind, 4 Schafe
20 Scheffel Feld am Galgenbüschel
16 Scheffel Feld vom Freiberger Wege
Zu dieser Zeit waren neben dem Bauern und der Bäuerin weitere 4 Knechte und 3 Dienstmägte beschäftigt, der Altbauer und dessen Frau waren in Auszug. |
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1848 übernahm Samuel Hänig den Hof
1864 wurde das Seitengebäude angebaut. (Gebäudeteil in dem sich jetzt die Ferienwohnungen befinden)
1880 kaufte Karl August Berthold das Oberlehngut für 42000,- Mark (seit dem ist das Gehöft in Familienbesitz)
1909 war Max Berthold (7. Kind von 11 Geschwistern) der Besitzer.
Von dieser Zeit an liegen lückenlos alle Veränderungen vor, die baulich oder wirtschaftlich geschahen vor.
1909 wurde der erste Teil des Wagenschuppens neu gebaut.
1911 ließ Max Berthold von Lippold einen Flurplan mit Fruchtfolge,- Dünge- und Meliorationsplan erstellen.
Als erste Maßnahme zur Intensivierung ließ 1911 Max Berthold zum Preis für 3386,58 Mark fast die Hälfte der Nutzfläche durch Drainagen und Bachläufe entwässern.
1916 wurde die alte Scheune, die bis dahin noch mit Stroh gedeckt war, durch eine neue mit Hocheinfahrt und Dreschmaschine ersetzt. Ab 1917 wurde die Dreschmaschine mit einen 6 PS Elektromotor angetrieben. Das war eine enorme Erleichterung, mußte doch bis dahin das gesamte Getreide noch mit dem Dreschflegel bzw. mit der vom Pferdegöbel angetriebene Dreschmaschine ausgedroschen werden.
1923 wurde eine neue Miststätte mit Jauchengrube errichtet, bis dahin lagerte der gesamte Mist auf dem Hof und die Jauche lief zum großen Teil in das Abwasser.
1933 wurde das Seitengebäude in dem sich das Wasserhaus befindet wegen Baufälligkeit abgerissen und für 14343,12 RM neu als Schweinestall und obenliegenden Heuboden errichtet.
1935 entstand an der Giebelseite des Seitengebäudes ein neuer Hühnerstall (jetzige FeWO Hühnerstübel)
1936 wurden zwei große Grünfuttersilos neu errichtet. |
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1945 nach dem Ende des Krieges, übernahm Friedrich Kaltofen als Schwiegersohn das gesamte Anwesen.
Zu unserem Bauerngehöft gehörten zu dieser Zeit 29.95 ha Land, davon 26,66 ha landwirtschaftliche genutzte Fläche und 2.07 ha Wald.
Bis zum Jahre 1960 wurde das Anwesen von unserer Familie bewirtschaftet.
1960 wurden die Felder in die LPG (Landwirtschaftliche Produktions- Genossenschaften) und das gesamte Vieh gegen den Willen des Besitzers von einer LPG übernommen und bewirtschaftet.
Das war für die Bauern, die seit Generationen ihre Höfe eigenständig unter erheblichen Anstrengungen und Entbehrungen geschaffen hatten, eine ganz bittere Zeit, mussten Sie von da an, ihren Lebensunterhalt in der Genossenschaft verdienen.
Mit dem Entzug der landwirtschaftlichen Fläche war das Ende des bäuerlichen Familienbetriebes besiegelt.
Erst mit der Wiedervereinigung 1989 wurde es möglich, dem über 500 Jahre alten Hof neues Leben zu geben. |
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Ab 01.01.1991 wurde auf dem Hof wieder eigenständig Landwirtschaft betrieben.
Da keinerlei Maschinen und Stallungen vorhanden waren, war der Neubeginn nur im Nebenerwerb möglich.
Mit 5,48 ha Weide, 3 Mutterkühen und veralteter Technik war ein neuer Anfang gemacht. Von 1992-94 wurden auf unseren Hof die gesamten Außenfasaden in Eigenleistung erneuert.
1996 wurde das leerstehende Gebäude Pferdestall, zu drei Ferienwohnungen völlig neu umgebaut. Seit dieser Zeit beherbergen wir auf unseren Hof Urlaubsgäste aus nah und fern.
Am 27.Juni 2006 wurde durch Blitzschlag im Seitengebäude ein verheerender Großbrand ausgelöst, wodurch Scheune und Seitengebäude völlig nieder brannten und an Wohnhaus und Ferienhaus erheblicher Schaden von ca. 200.000,- € entstand.
Nur durch den Großeinsatz der umliegenden Feuerwehren konnte ein Übergreifen auf Wohnhaus und Ferienhaus verhindert werden. |
Mit Hilfe vieler freiwilliger Helfer, Baubetrieben des Ortes und Spenden konnte die Familie innerhalb von 20 Monaten den Hof zu einem richtigen Kleinod herrichten.
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